Im Stadtmuseum Echterdingen gibt es, zunächst virtuell, eine Ausstellung zu 70 Jahren Ehapa-Verlag. Hier waren Donald Duck, aber auch Asterix und Obelix zu Hause.

 

 

Mit verklärtem Lächeln springt Dagobert Duck in seinem Geldspeicher kopfüber in die Talerfluten. Am vergangenen Sonntag, dem Internationalen Museumstag, wurde die Ausstellung „Entenhausen war in Stetten – 70 Jahre Ehapa-Verlag in Deutschland“ im Stadtmuseum von Leinfelden-Echterdingen eröffnet. Zu den legendären Comicreihen, die der Verlag her­ausbringt, gehören neben Dagobert und Donald Duck samt ihrer Sippschaft sowie Micky Maus auch Asterix und Obelix. 1968 hatte Adolf Kabatek, der langjährige Geschäftsführer des in Stetten auf den Fildern beheimateten Ehapa-Verlags, die Verlagsrechte erworben. Als im Jahr 2000 bekannt wurde, dass der Verlag vom idyllischen „Im Riedenberg“, neben dem weit sichtbaren Radarturm, nach Berlin umzieht, rebellierten die Beschäftigten wie die Einwohner des gallischen Dorfes.

Sie gingen auf die Straße und protestierten mit Transparenten: „Asterix braucht keine Berliner Luft“, „Ich glaub, die spinnen, die Unternehmer!“ „Grrr – Keuch – Spotz“, „Entenhausen bleibt in Stetten“ oder „Wir sind keine Duck-Mäuse“. Genutzt hat es nichts. Doch ein Großteil der 70-jährigen Verlagsgeschichte ist eng mit den Fildern verbunden. Im Magazin des Stadtarchivs von Leinfelden-Echterdingen sind die Regale mit 80 laufenden Metern von Comics und Zeitschriften des Ehapa-Verlags gefüllt. Denn als sich die Verlagsführung zum Umzug nach Berlin entschloss, wurden die Archivmitarbeiter gebeten, die vielen alten und neuen Zeitschriften und Comics zu ordnen, zu katalogisieren und für den Umzug zu verpacken. Im Gegenzug dafür gab es die Dubletten der Comics und Zeitschriften von 1951 bis 2001.

„Somit können wir aus dem Vollen schöpfen und viele schöne und seltene Originale in unserer Ausstellung präsentieren“, erzählt Stadtarchivar Jürgen Helmbrecht. Der Verlag hat auch etwas beigesteuert: Präsentationsboxen in Form eines Schiffs, eines Strandkorbs oder eines Koffers, gefüllt mit vielen LTB, wie die Lustigen Taschenbücher unter Insidern genannt wurden, und eine kleine Auswahl von heutigen Werbemitteln des Verlags. Ergänzt wird die bunte Schau mit vielen Objekten aus der Privatsammlung des Donald-Duck-Liebhabers Martin Wacker aus Karlsruhe. Er hat allerlei sowohl rund um seine Lieblingsente als auch viele Exponate zu dessen Onkel Dagobert, der „reichsten Ente der Welt“, zusammengetragen.

Zu diesem Zweck hat der ehrenamtliche Museumsleiter Wolfgang Haug mit einem kleinen Kreativteam unter Anleitung des ehemaligen Ehapa-Grafikers Wolfgang Berger den früheren Tresorraum im Gebäude der ehemaligen Echterdinger Sparkasse, in dem heute das Stadtmuseum untergebracht ist, zum Geldspeicher umgestaltet. Die Ausstellung im Stadtmuseum in Echterdingen soll bis Ende des Jahres laufen. „Wir wollen mit dem Thema auch Jüngere ins Stadtmuseum holen und uns so ein bisschen breiter aufstellen. Deshalb wollen wir öffnen, sobald es die Inzidenzen zulassen“, erklärte Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell mit leuchtenden Augen zwischen all den Comickostbarkeiten.

 

 

70 Jahre Ehapa-Verlag

Die Ausstellung läuft vermutlich bis Ende des Jahres. Vorerst kann sie nur bei einem virtuellen Rundgang betrachtet werden: www.leinfelden-echterdingen.de/Stadtmuseum. Im Begleitprogramm ist am Freitag, 2. Juli, 18 Uhr, ein Vortrag von Johannes Kabatek im Bürgersaal der Zehntscheuer Echterdingen geplant.

Öffentliche Führungen sollen am Sonntag, 20. Juni, und am Mittwoch, 25. August, jeweils um 15 Uhr, stattfinden. Anmeldungen unter 07 11 / 9 97 54 08. Führungen können unter 07 11 / 70 10 82 gebucht werden.