Die Internationalen Wochen gegen Rassismus Stuttgart finden vom 15. bis 28. März überwiegend im digitalen Raum statt – Veranstaltungen beschäftigen sich mit gewachsenen Strukturen, Dominanz, den NSU-Fällen oder dem Geschehen in Hanau.

 

 

Die Fotografien von Amina Ousman-Daouda zeigen schöne schwarze Menschen unterschiedlichen Alters von hier. Ob die Ausstellung „Black is beautiful“ der Grafikdesignerin und Illustratorin, die vom 15. bis 28. März im Rahmen der sechsten Internationalen Wochen gegen Rassismus Stuttgart gezeigt wird, real angeschaut werden kann oder nur im virtuellen Rundgang, weiß Markus Fricke vom Forum 3 allerdings noch nicht. Die mehr als 65 Kooperationspartner haben für die Aktionswochen gegen Rassismus wieder ein breites Programm aufgeboten.

Aufgrund der Corona-Pandemie gibt es aber keine Veranstaltungen an verschiedenen Orten Stuttgarts, sondern überwiegend Angebote im digitalen Raum. Im vergangenen Juni nahm Amina Ousman-Daouda an der Silent Demo gegen Rassismus und Polizeigewalt im Schlossgarten teil, die durch den Tod des Afroamerikaners George Floyd ausgelöst wurde. Eine junge Frau auf dem Podium habe erzählt, wie sie zu Schulzeiten wegen ihrer Hautfarbe beleidigt und diskriminiert wurde, dass sie zu Hause unter Tränen versuchte, sich ihre dunkle Hautfarbe mit Seife abzuwaschen, berichtet Amina Ousman-Daouda über den Impuls zur Fotoserie „Black is beautiful“, die auch als Buch erschienen ist.

„Wir verstehen Rassismus nicht nur als individuelles Fehlverhalten, sondern als eine Machtstruktur, die über Jahrhunderte gewachsen ist und in allen Bereichen des Lebens und Arbeitens Auswirkungen hat“, sagt Susanne Belz vom Büro für Diskrimi­nierungskritische Arbeit Stuttgart. Mit dem Stadtjugendring, dem Forum der Kulturen und dem Jugend- und Kulturzentrum Forum 3 trägt das Büro organisatorisch die Initiative Heimat, die das Programm der Internationalen Wochen gegen Rassismus koordiniert. Es gehe um Themen wie Diskriminierung in Filmen und Theater, um die Verteilung oder den Zugang zu Ressourcen, erläutert Susanne Belz. „Dies kann Auswirkungen darauf haben, ob Menschen, die von Rassismus betroffen sind, eine Wohnung, einen Praktikums- oder Arbeitsplatz bekommen oder nicht, ob und wie Menschen von der Polizei kon­trolliert werden oder nicht und ob ihnen vor Gericht geglaubt wird.“

Situationen, so Susanne Belz, die Betroffene auch in Stuttgart häufig erlebten. Drei Abendveranstaltungen beschäftigen sich mit institutionalisiertem Rassismus und Racial Profiling, dem häufig auf Stereotypen und äußerlichen Merkmalen basierenden Handeln von Polizei, Sicherheitsdiensten, Einwanderungs- und Zoll­beamten: „Der lange Abschied von der weißen Dominanz“, ein moderiertes Gespräch live über Youtube mit der Auslandskorrespondentin Charlotte Wiedemann am Dienstag, 16. März, „Institutionalisierter Rassismus“, ein Online-Vortrag des Journalisten, Buchautors und Moderators Mohamed Amjahid sowie ein Online- Gespräch „Lagebericht D 2021: NSU, Hanau, Lübcke-Prozess“ mit Mehmet Daimagüler, einer der Anwälte der Opferfamilien im Münchner NSU-Prozess, beide am Dienstag, 23. März.

Auch die Aufarbeitung der Kolonialzeit und der Verstrickungen von Stuttgarter Museen, Familien und Vereinen werde weiter vorangetrieben, maßgeblich durch den Kooperationspartner Linden-Museum, erläutert Susanne Belz. „Außerdem gibt es vormittags Angebote für Schulklassen und ein breites Fortbildungsprogramm.“

 

 

Das Programm

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