Projekt der Stadt Stuttgart: Distanz-Tracker sollen als „Echt-Zeit-Warnsystem“ in Clubs und Co. zum Einsatz kommen, um Infektionsrisiken zu erkennen.

 

 

Sie haben die Größe einer Scheckkarte und vibrieren bzw. geben einen Alarmton ab, falls es zu „potenziell gefährlichen Begegnungen“ kommt: Distanz-Tracker sollen im Rahmen eines Projekts, entwickelt von der Stuttgarter Stadtverwaltung mit der Universität des Saarlandes, auf kulturellen Veranstaltungen mit dem Schwerpunkt Popkultur und Jugendveranstaltungen in Stuttgart eingesetzt werden. Damit sollen weitergehende Öffnungen ermöglicht werden, selbst bei einer höheren Inzidenz. Sie sollen als „Echt-Zeit-Warnsystem“ gelten und Gesundheitsämtern die Kontaktnachverfolgung erleichtern – alles automatisiert und unter Wahrung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen.

„Der Kultur eine Chance, dem Virus keine.“ So lautet das Ziel des auf neun Monate angelegten Projektes, das im Einvernehmen mit dem Land Baden-Württemberg und dem Städtetag Baden-Württemberg dem Gemeinderat zur Entscheidung am 17. Juni 2021 vorlag. Der Beschluss: Bei fünf Enthaltungen und fünf Nein-Stimmen wurde dem Antrag hierfür mehrheitlich zugestimmt. Die Kosten für das Projekt einschließlich externer Begleitung betragen entsprechend vorläufiger Kalkulation des Gesundheitsamts circa 495 500 Euro.

Der Wissenschaftler Professors Thorsten Lehr, der gemeinsam mit der Stadt Stuttgart das Projekt entwickelt hat, erklärt, wie das Vorhaben funktioniert: „Die Besucher erhalten beim Betreten der Location einen Tracker, der zu jedem Zeitpunkt die genaue Position des Besuchers erkennt. Ein Echt-Zeit-Warnsystem meldet unverzüglich potenziell gefährliche Begegnungen durch Vibration oder Alarmton. Ermöglicht wird dies durch den Einsatz eines innovativen und hochpräzisen Ultrabreitband-Systems, das Abstände bis auf zehn Zentimeter genau erkennen kann.“ Später sei dann laut Stadt Stuttgart nachvollziehbar, welche Personen sich für wie lange in unmittelbarer Nähe zueinander befunden haben. So würden die Risiken einer Infektion kalkulierbar, die Gesundheitsämter bei der Nachverfolgung entlastet und Ressourcen bei Testungen oder Laboren geschont. Weil die Technologie auch Hotspots aufzeige, also Orte in den Gebäuden, an denen es vermehrt zu kritischen Kontakten komme, können Betreiber und Betreiberinnen ihr Hygienekonzept sogar während der laufenden Veranstaltung verbessern.

Nach einer Ausschreibung der Stadtverwaltung sollen die Distanzmesser zunächst nur bei ausgewählten Teilnehmern und Teilnehmerinnen aus der Club- und Kulturszene getestet werden. Der Projektstart ist derzeit nicht bekannt. Das Vorhaben kann laut dem Sozialministerium unabhängig von den aktuellen Regelungen der Coronaverordnung durchgeführt werden.

 

 

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