Der zweite Lockdown macht den Verantwortlichen von Trainingsstätten zu schaffen, vor allem, weil es keine Neueintritte gibt.

 

 

Sportvereine sehen sich aktuell – anders als im ersten Lockdown – einer neuen Situation gegenüber. Nicht nur, dass seit vier Monaten und bereits zum zweiten Mal innerhalb von elf Monaten der Sportbetrieb komplett ruht, jetzt sehen sie sich zudem mit schwindenden Mitgliederzahlen konfrontiert. Die kommen vornehmlich nicht durch Austritte zustande, sondern weil es keine Neueintritte gibt. Beim MTV Stuttgart ruht der Sportbetrieb komplett, es gibt Online-Angebote, jeden Tag mindestens vier Stunden, die „sehr gut angenommen werden“, freut sich MTV-Präsidentin Ul­rike Zeitler.

„Wir haben treue Mitglieder.“ Trotz Corona-Krise und den damit verbundenen Einschränkungen haben im vergangenen Jahr weniger MTV-Mitglieder gekündigt als im Durchschnitt in den letzten fünf Jahren. Der MTV zieht jetzt im Februar seine Mitgliedsbeiträge für 2021 ein, bei insgesamt 8577 Mitgliedern. Letztes Jahr waren es noch 9122, also knapp 600 mehr. Rund die Hälfte der Mitglieder sind Kinder und Jugendliche, und in dem Segment gibt es aktuell keine Neuanmeldungen.

Dem größten Anbieter für Sport und Fitness in der Landeshauptstadt, der MTV wurde 1843 gegründet, fehlen derzeit jeden Monat rund 60 000 Euro in der Kasse, rechnet Zeitler vor. Das Fitnessstudio ist beispielsweise zu, wo für spezielle Kurse neben dem regulären Mitgliedsbeitrag zusätzliche Gebühren anfallen. Das Thema Finanzen ist nicht nur beim MTV ein Thema, das unter den Nägeln brennt. Udo Wente ist Geschäftsführer beim SV Fellbach, mit 4557 Mitgliedern aktuell der zweitgrößte Sportverein in der Kappelbergstadt. Sieben Prozent weniger Mitglieder zählt der SVF im Vergleich zum Vorjahr, wo es noch 4895 waren. Ohne Angebote gibt es keine Neuzugänge, beschreibt Wente dasselbe Phänomen wie beim MTV. Die Liste könnte beliebig fortgeführt werden.

Wente macht der Lockdown nicht nur in finanzieller Hinsicht Sorgen, sondern auch im Hinblick auf Kinder, die ohne Schwimmunterricht aufwachsen. Er zeichnet ein düsteres Szenario – auch mit gesundheitlichen Folgen. Just deshalb hat der SVF hier seinen eigenen Weg eingeschlagen. Er bietet im Lockdown Kurse im Bereich Reha-Sport an – „unter strenger Einhaltung der Corona-Vorschriften“, sagt Sabine Alber, unter anderem Leiterin für Kurse bei Rückenbeschwerden. Die Teilnehmer ver­fügen über ein ärztliches Rezept, die Kurse werden über die Krankenkasse abgerechnet. So kommt ein wenig Geld in die Kasse.

 

 

Sieben-Euro-Spende

Die CDU-Fraktion im Stuttgarter Gemeinderat hat den Antrag gestellt, dass die Stadt, wie bereits im letzten Jahr, den Sport­vereinen für jedes Mitglied erneut sieben Euro überweist. „Das hat 2020 ganz wunderbar und unbüro­kratisch funktioniert“, sagt Dominik Hermet von der Geschäftsstelle des Sportkreises Stuttgart und freut sich, dass SPD und Grüne ebenso denken. Er ist zuversichtlich, dass Anfang April der Sportbetrieb langsam anläuft.