Kreativität in der Krise: Zwei Stuttgarter Kirchengemeinden haben neue Gottesdienstformate für Familien entwickelt.

 

 

Das Gefühl von Gemeinschaft und Freiheit, so schmerzlich vermisst in den vergangen Wochen, ist in den Fokus gerückt. Ob Familie, Freunde oder die Gemeinde, nach den Kontaktbeschränkungen ist jedes Miteinander besonders wertvoll. Auch die Kirchen dürfen seit ein paar Wochen wieder öffentliche Gottesdienste abhalten – bestimmte Auflagen sind dabei nach wie vor einzuhalten. „Da wir während unserer Gottesdienste in einem geschlossenen Raum sind, haben wir bestimmte Vorgaben zu erfüllen, die sehr strikt sind. Somit ist unser Gestaltungsspielraum begrenzt. Wir haben in der Gesamtkirchengemeinde, seit öffentliche Gottesdienste wieder erlaubt sind, klassische Eucharistiefeiern oder Wort-Gottes-Feiern abgehalten“, sagt Julia Matheis, Pastoral­referentin der Gesamtkirchengemeinde Stuttgart-Nordwest. Gemeinsam mit Gemeindereferentin Theresia Mattes habe sie sich Gedanken gemacht, wie man eine Art von Gottesdiensten anbieten könne, die auch für Familien mit kleinen Kindern ansprechend ist.

„Wir wollten eine Alternative finden und haben uns überlegt, wie und wo man solch ein Konzept umsetzen könnte. Wir haben den Vorteil, dass wir in unserer Gesamtkirchengemeinde Gemeinden mit Waldheimen und wunderschönen Pfarrgärten haben. So entstand die Idee, dass wir den Gottesdienst nach draußen verlegen könnten und so auch mehr Möglichkeiten haben“, sagt Julia Matheis. Daraus entstanden sind Picknick-Gottesdienste unter freiem Himmel. Mitbringen müssen Teilnehmer lediglich eine Decke und Brot zum familieninternen Teilen. „Die Picknickdecke schafft für die Familien eine Begrenzung und eine sichere Zone, in der sie dann auch die Masken abnehmen können. Letzten Sonntag haben wir bei strahlendem Sonnenschein und wolkenlosem Himmel gestartet – mit 15 Familien und insgesamt circa 50 Personen. Thema war die Arche Noah. Die Idee war, die Flut mit der Pandemie, die über uns hereingebrochen ist, zu vergleichen. Genauso wie man die Arche nicht verlassen konnte, so durften wir nicht nach draußen. Die Picknickdecke war dann unsere Arche, die wir gemeinsam entdeckt haben. Und zuletzt kam dann die Taube mit einem Zweig als Hoffnungszeichen“, sagt Julia Matheis. So entsteht ein Bezug zwischen christlichen Geschichten und der aktuellen Situation.

„Trotz der Abstandsregeln sollen die Familien bei unseren Picknick-Gottesdiensten ein Miteinander erleben und ins Gespräch kommen. Das Feedback nach unserem ersten Gottesdienst war sehr gut. Die Familien haben sich sehr gefreut, dass es wieder eine andere Form von Gottesdiensten gibt, die auch Kinder anspricht. Es gibt wieder etwas Lebendiges, einen Ort, an dem man sich treffen kann.“ Drei weitere Termine an wechselnden Orten sind geplant. Die nächsten Picknick-Gottesdienst-Termine sind:

• Sonntag, 5. Juli, 11 Uhr: Waldheim Lindental, Diepachwiesen 6. „Das Thema ist ,Jesus und der Aussätzige‘. Die Verbindung zur Pandemie wird die Abgrenzung sein, die wir nun auch tagtäglich erleben, wenn wir zum Beispiel Menschen in Krankenhäusern oder Seniorenheimen nicht besuchen dürfen“, sagt Julia Matheis.

• Sonntag, 12. Juli, 11 Uhr: Pfarrgarten Salvator, Giebelstraße 15.

• Sonntag, 19. Juli, 11 Uhr: Pfarrgarten St. Theresia, Pirmasenser Straße 8.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Familien werden gebeten, eine Picknickdecke, Fladenbrot oder Brötchen und Getränke mitzubringen. Bei Regen fällt der Gottesdienst aus.

 

 

Aktuelles

Wer lieber mit den Kindern zu Hause feiert, für den gibt es in der Gemeinde St. Georg Gottesdienste zum Mitnehmen: Tüten mit Materialien zum Basteln und Spielen. Mehr Infos unter www.kirche-stuttgart-nordwest.de.