Nützliches Wissen rund um die Stuttgarter Oberbürgermeisterwahl am 8. November – und vielleicht braucht es sogar am 29. November einen zweiten Wahlgang.

 

 

Der langjährigste OB

Arnulf Klett war am längsten im Amt und wollte eigentlich nochmals als Oberbürgermeister antreten. Der gebürtige Stutt­garter verstarb allerdings 1974, in seinem 30. Amtsjahr. Klett war parteilos, war als NS-Regime-Kritiker zwei Monate im KZ Heuberg interniert und wurde 1945 von der französischen Militärverwaltung als Stadtoberhaupt eingesetzt. Bis heute wird Klett manche Stuttgarter Bausünde vorgeworfen.

Der bunte Hund

Er machte 1996 Wahlkampf, indem er unter anderem samstagabends am „Platz der Republik“ oder im „In-Treff“ „Das unbekannte Tier“ zu sehen war: der Grünen-Politiker Rezzo Schlauch. Sein Parteifreund und Wahlkampf­manager, der amtierende Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn, entwarf den Plakatspruch „Zwei Zentner Stuttgart“ für den gewichtigen Pfarrerssohn aus Bächlingen bei Langenburg an der Jagst. Schlauch war Wolfgang Schuster 1996 mit gerade mal 4,6 Prozent unterlegen.

Der Unglücksrabe

Rainer Brechtken hat dieses Jahr 75. Geburtstag gefeiert. Als Sportfunktionär und für sein Engagement für den Schwäbischen Turnerbund wurde er ge- und verehrt. Doch er galt 1996 im OB-Wahlkampf als Unglücksrabe. Es kam zu einem zweiten Wahlgang. Durch Parteigenossen angefeuert, ließ Brechtken sich überreden, nochmals anzutreten. Prompt meldete sich der Pforzheimer SPD-Rathauschef Joachim Becker – als sogenannter parteiloser Kandidat für den zweiten Wahlgang – mit 13,5 Prozent aller Stimmen lag Brechtken schließlich abgeschlagen hinter Schuster und Schlauch.

Der Populäre

Auch der populärste Stuttgarter Rathaus-Chef, Manfred Rommel, hatte es in seinen ersten Amtsjahren überhaupt nicht leicht. Gegen Klett traute er sich nicht anzutreten und gegen den Bewerber Ulrich Maurer von der SPD war seine Wiederwahl 1982 bei Weitem nicht gesichert. Eine nette Anekdote: Adoptivtochter und Nichte Catherine Rommel soll als Mädchen beim Anblick aller Wahlkandidaten-Plakate ausgerufen haben: „Onkel Manfred, du bisch der Wüschtest“, übersetzt: gar nicht attraktiv.

Und die Frauen?

Keine Frau konnte sich bisher gegen die Dominanz der Männer durchsetzen. Dabei gab es durchaus Bewerberinnen: die Stuttgarter Rechtsanwältin Corinna Werwigk-Hertneck (FDP) betrat 1996 erstmals die politische Bühne, hatte aber zu wenig Erfahrung vorzuweisen. Auch Bettina Wilhelm traute man 2012 – obwohl sie Rotenbergerin war und die Kommunalpolitik kannte – das höchste Amt in Stuttgart als SPD-Kandidatin nicht zu. Sogar die langjährige SPD-Bundestagsabgeordnete Ute Kumpf musste sich Amts­inhaber Wolfgang Schuster 2004 in der Stichwahl knapp geschlagen geben.

 

 

Kandidat*innen für die OB-Wahl

Infos und alle Kandidat*innen unter www.stuttgart.de/service/wahlen/ob-wahl-2020.php. Jede/r hat eine Stimme zu vergeben. Die Wahllokale sind am 8. November von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Die Redaktion freut sich außerdem über Leserbriefe: Was hat OB Kuhn in seiner Amtszeit bewegt? Ihre Meinung mit vollständigem Namen und Stadtteil per E-Mail an wochenblatt@stzw.zgs.de.