Veranstaltungen sind derzeit nicht möglich. Wie blicken Veranstalter von Live-Konzerten, Festivals und Festen auf die kommenden Monate?

 

 

„Jedes Konzert, das ab­gesagt werden muss, ist ein Verlust für unsere Kultur“, sagt Michael Russ, Geschäftsführer der Südwestdeutschen Konzertdirektion Stuttgart (SKS) Erwin Russ GmbH, die Konzerte von Iron Maiden und den Fantastischen Vier plant. Für Veranstalter wie ihn heißt es „abwarten“, der Lockdown verbietet jegliche Veranstaltungen. Um den Sälen, Hallen und Arenen wieder Leben einzuhauchen, sobald es die amtlichen Vorgaben zulassen, dreht sich für Veranstalter wie ihn derzeit alles. „Unsere Verbände haben bereits ein Konzept vorgelegt, wie man die schrittweise Öffnung gestalten kann, wenn es so weit ist“, so Russ. „Die Hallen und Clubs in der Region, allen voran die in.Stuttgart, arbeitet hier intensiv mit uns zusammen, wofür wir sehr dankbar sind.“

Der Geschäftsführer geht momentan davon aus, dass frühestens im Winter 2021/2022 wieder regulär Konzerte stattfinden können.„Nach der Krise sind aufgrund der Verschiebungen bis zu 200 Konzerte im Folgejahr geplant.“ Die VfB Stuttgart Arena Betriebs GmbH, die die Mercedes-Benz-Arena neben Fußballspielen auch für Konzerte vermietet, hat für den Sommer 2021 etliche Veranstaltungen geplant. Man werde mit den städtischen Behörden, sobald es die rechtliche Situation zulasse, wieder in die Abstimmung konkreter Hygienekonzepte für den Veranstaltungsbetrieb gehen, teilt das Unternehmen mit. Es gebe bereits Konzepte, die sich schon in den Monaten vor dem erneuten Lockdown bewährt haben. Die in.Stuttgart Veranstaltungsgesellschaft mbH & Co. KG, die alljährlich den Weihnachtsmarkt, das Lichterfest, aber auch das Frühlingsfest aus­richtet, wartet derzeit darauf, ob Letzteres dieses Jahr stattfinden kann. Dies werde seitens der Stadt Stuttgart voraussichtlich Anfang März entschieden.

Ein simples „Weiter so“ nach der Corona-Pandemie könne es auf jeden Fall nicht geben, erklärt Jürgen Klopfer, Pressesprecher von in.Stuttgart: „Themen wie die Hygiene- und Abstandsregeln werden uns weiter begleiten, das gilt ebenso für die Diskussionen um die Zugangsregelungen – wie personalisierte Tickets und mögliche Impfnachweise. Wichtig wären bundeseinheitliche Regelungen – das würde die Planung von Konzerttourneen sicher verein­fachen.“ Digitale Veranstaltungsformate mit Live-Streaming und hybride Events würden sicher vermehrt in den Fokus rücken. „Aber das Live-Erlebnis ist durch nichts ersetzbar.“

In.Stuttgart fordert die politischen Verantwortlichen zu einem intensiven Dialog auf, um gemeinsam ein realistisches Szenario für einen Re-Start zu erarbeiten. SKS Erwin Russ fordert zudem, dass mit mehr Nachdruck von öffentlicher Seite an dem Erhalt und den verbesserten Rahmenbedingungen für die Kultur nach der Krise gearbeitet wird. „Uns darf jetzt wirklich gar nichts mehr verloren gehen“, betont Russ. „Wir sind gerne Impulsgeber als Branche, aber gerade lässt man uns etwas alleine stehen, obwohl wir am härtesten betroffen sind.“ Über 90 Prozent der Veranstaltungen, seit Beginn der Pandemie, wurden bei der SKS Erwin Russ verschoben, zum Teil mehrmals. „Der allein bei uns erbrachte Aufwand geht in die Hunderttausende an Euros.“ Die aufgelegten Hilfsprogramme seien jedoch eine Hilfe. Wenn die Versprechungen auf Auszahlung auch noch nicht greifen würden, so hoffe man auf baldige Umsetzung. Auf finanzielle Unterstützung sei man allerdings noch auf Jahre hin angewiesen.

Auch bei in.Stuttgart fielen Veranstaltungen 2020 aus, wofür man einen Zuschuss in Höhe von 8,5 Millionen Euro erhalten habe. Absehbar sei jedoch, dass auch 2021 ein solcher Zuschuss benötigt werde. Ganz wichtig sei es nun laut Klopfer, wieder in wirtschaftlich relevante Bereiche zu kommen, sonst seien große Veranstaltungen auf Dauer nicht möglich oder finanziell darstellbar. Aufklärung zu leisten, sei ebenso wichtig, um Vertrauen zu schaffen, so dass „alle wieder Lust auf Konzerte und Sportveranstaltungen bekommen“.

 

 

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Aktuelle Hinweise von in.Stuttgart finden sich online auf www.in.stuttgart.de, von der SKS Erwin Russ online unter www.stuttgart-live.de.