Armen Shala, einer der Geschäftsführer der Schräglage GmbH, berichtet von den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Clubszene: Man versucht, durchzuhalten.

 

 

Herr Shala, vielen Dank für Ihre Bereitschaft, ein Interview für das Stuttgarter Wochenblatt zu geben. Was hat die Pandemie für Auswirkungen auf Ihr Unternehmen?

Die Auswirkungen sind größer, als wir es uns je hätten vorstellen können. Nicht nur für uns als Unternehmen, sondern auch für jede einzelne Person, die dahintersteckt. Wir mussten alle Betriebe innerhalb kürzester Zeit schließen und wussten nicht, was auf uns zukommt. Uns war es wichtig, unsere Mitarbeiter zu behalten und gleichzeitig die Schräglage über Wasser zu halten. Die ersten Wochen waren sehr beängstigend, weil niemand wirklich wusste, welche Auswirkungen das Ganze haben wird. Heute, ein Jahr später, bangen wir weiterhin.

Finden Sie, dass Kulturschaffenden Gehör verschafft wurde in Hinblick auf die negativen Aus­wirkungen aufgrund der Schließung von Kulturbetrieben und Programmen?

Zuerst nicht! Aber wir, die Kulturschaffenden, sind zähe Menschen, weil wir es gewohnt sind, zu kämpfen und unseren Standpunkt klarzumachen. Erst mit der Zeit, als die Stimmen lauter wurden, hatte man das Gefühl, dass bei der Politik ankommt, was die Pandemie und die damit zusammenhängenden Schließungen für uns bedeuten – und somit auch für jede Stadt.

Gibt es eine Lobby für Kulturschaffende? Habt ihr in politischen Gremien, aber auch in der medialen Landschaft eine Stimme, keine Stimme oder zu wenig Stimmen, die sich für euch einsetzen?

In Stuttgart arbeiten wir sehr eng mit dem Club Kollektiv zusammen. Hier treffen sich insbesondere Kulturschaffende aus dem Nachtleben und versuchen ihre Interessen zu bündeln. Das hilft uns allen sehr, insbesondere wenn es um den Informationsfluss geht.

Fühlen Sie sich genug vom Staat unterstützt? Wie war das vor der Krise? War die Situation da besser?

Na ja, das Nachtleben und die Clubs werden nicht von allen als Kulturbetrieb gesehen. Wie wichtig diese Branche jedoch für eine Stadt ist, dürfte jetzt einigen klar geworden sein. Wir haben immer gut mit der Stadt Stuttgart zusammengearbeitet und so ist es jetzt auch. Aber es ist auch klar, dass es immer wieder Hürden gibt, die man gemeinsam aufs Neue überwinden muss.

Hat die Krise auch etwas Gutes?

Aus unternehmerischer Sicht eher nein! Aus persönlicher Sicht könnte man sagen, dass die Entschleunigung in den ersten Wochen sicher einigen gutgetan hat. Nun kommt aber eine Zeit, in der alle zur Normalität zurückkehren wollen, soziale Kontakte pflegen, Kultur erleben und einfach mal in einem Club ausgelassen feiern.

Was zeigt die Krise ganz besonders deutlich in Hinblick auf das Kultur- und Nachtleben in Stuttgart und der Region? Was sollten Verantwortliche, aber auch der Staat durch die Krise lernen?

Dass die Kultur, zu der auch das Nachtleben gehört, wichtig ist und man sie nicht als einen Bereich ansehen darf, welcher nur zum sinnlosen Betrinken und Partymachen da ist. Wir prägen eine Stadt und ihre jungen Menschen. Ohne uns wäre es verdammt ruhig und leblos.

Sind Sie auf Spenden an­gewiesen? Oder wie halten Sie Ihr Unternehmen finanziell über Wasser?

Wir sind glücklicherweise nicht auf Spenden angewiesen, dafür sind wir auch etwas zu groß. Es haben jedoch in der Vergangenheit einige Menschen gespendet, was uns sehr berührt hat. Wir versuchen die Hilfen in Anspruch zu nehmen, sprechen mit allen Partnern wie Vermietern und schauen, dass wir langfristige Lösungen finden.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Dass die Kultur in Stuttgart und überall sonst keinen allzu großen Schaden abbekommt und wir alle gesund durch diese Zeit kommen. Auch wenn keiner vorhersagen kann, wann, kann ich mir gut vorstellen, wie es sein wird, wenn eine gewisse Normalität zurückkehrt – nämlich genauso schön wie vor der Pandemie!

 

 

Online zum Club-Konzert

Hier kommt wenigstens ein kleines bisschen Live-Stimmung auf: Das Stuttgarter Kulturbüro Sorglos hat im vergangenen Sommer Konzerte mit kleinen Pop-, Jazz-, Cross-Music-Ensembles an wenig bekannten Veranstaltungsorten gemacht. Zumindest digital spielen am 21. März das Felix Meyer Trio, am 25. März heißt es online „Liedermacher!innen-Liga feat. Rosa Hoelger Duo“, beide Male ist der Beginn um 20 Uhr, www.feierabendkollektiv.org. Wettbewerbe für Newcomer sind unter www.popbuero.de ausgeschrieben.