Der Stuttgarter Künstler alias „Jack Lack“ erzählt von seinen Anfängen in der Graffiti-Szene.

 

 

Roman de Laporte sitzt in idyllischer Atmosphäre an einer Gracht in den Niederlanden. Der Künstler, auch bekannt unter seinem Pseudonym „Jack Lack“, arbeitet gerade an einem Auftrag des Museums in Assen, bei dem er drei Seitenwände des Nachbargebäudes des Museums verschönern soll.

Der 26-Jährige habe inzwischen viele Anfragen für Auftragsarbeiten in ganz Europa, Australien und Kanada, sich treu zu bleiben sei ihm dabei aber wichtig. „Ich nehme keine Jobs an, die mich völlig verbiegen würden“, erzählt er. „Der Punkt ist, ich male auf jeden Fall. Ob ich dabei nun Geld einnehme oder Geld ausgebe, ist mir nicht wichtig.“ Der Stuttgarter wolle sich das freie Gefühl bewahren und nicht nur Aufträge annehmen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Mit seinem Psychologiestudium hat er dafür eine gute Grundlage geschaffen. „Am liebsten würde ich beides machen. Eine Mischung aus Kunst und Psychologie wäre perfekt.“

Angefangen habe sein Interesse für Graffiti in seiner Jugend. „Ich war Skater, jedoch ein sehr miserabler. Deshalb saß ich oft am Rand und habe angefangen, mit einem Stift Buchstaben in Bänke zu ritzen.“ Vom Stift über Marker fand de Laporte zur Spraydose. Wie in der Szene üblich, habe er mit dem Sprühen von Schriften und Buchstaben angefangen – was ihn jedoch wenig zufriedenstellte. „Ich habe viel in Graffiti Halls geübt, war aber, wie auch beim Skaten, einfach nicht wirklich gut.“ In dieser Zeit habe Jack Lack jedoch die Freude an der Dose gefunden und weiter damit arbeiten wollen. Im Internet habe er ein realistisches Porträt gefunden, das auch mit einer Sprühdose auf eine Wand gesprüht worden war. „Als ich dieses Bild gesehen habe, war ich begeistert, dass so was möglich ist. Das wollte ich auch machen.“

Die ersten Versuche der Porträts seien zwar schiefgegangen und keinesfalls perfekt geworden, doch der Spaß an der Sache habe ihn bewogen, weiter zu üben. „Bei meinem siebten oder achten Porträt habe ich den ganzen Tag gemalt. Ich habe knapp zwölf Stunden lang daran gearbeitet und darüber das Essen und Trinken vergessen. Ich habe mich total darin ver­loren, das hatte ich davor noch nie.“ Gern hält sich der Künstler an Orten auf, die besonders bunt sind. „Meine Lieblingsorte in Stuttgart ändern sich häufig. Ob der Marienplatz, früher das Zollamt oder Orte im Stuttgarter Westen, ich mag, wenn man spürt, dass Leben in der Stadt ist.“ Für einige mögen die vielen Buchstaben an Bahnhöfen, Unterführungen oder Wänden Schmierereien ohne Bedeutung sein, doch für Roman de Laporte und andere Graffiti-Künstler sind die Tags, also die Signaturkürzel, Bilder und Schriftzüge spannende Markierungen. Sie zeigen, welche Künstler zurzeit aktiv sind, und geben den zahlreichen Sprayern eine Möglichkeit, ihre Message zu verteilen. „Ich mag Städte wie Berlin und Leipzig, weil sie so schön schmutzig sind. Sie sind ein bisschen eckig und nicht so geleckt – einfach lebendig.“

Auch bei seinen Kunstwerken mag er das Schmutzige und Unperfekte. De Laporte grundiere die Wände nicht vor dem Sprühen, sondern versuche, die Wand so zu nehmen, wie sie ist. „Ob da nun eine tropfende Regenrinne mitten auf der Wand ist und daran Rost herunterläuft oder ein großer Busch an einer Ecke ins Bild ragt, ist nicht schlimm. Im Gegenteil, ich versuche die Wand nicht als Leinwand zu sehen, sondern etwas zu schaffen, das nur dort geht und nirgends anders.“ Bei der Ideenfindung und Skizzierung nehme er sich dafür viel Zeit und schaue sich den Kontext des Gebäudes und der Umgebung genau an. Bei der Umsetzung arbeite er meist mit den klassischen Sprüh­dosen. Aber auch Materialien wie Latex kämen ab und zu zum Einsatz. „Ich mag es einfach, wenn es runterläuft, das kann man damit gut erzeugen.“

Eines seiner Kunstwerke ist seit Juli an den Pfeilern der Paulinenbrücke am Österreichischen Platz zu sehen. Es zeigt antike Skulpturen, die mit modernen Elemente, wie beispielsweise Tattoos am Arm, gestaltet wurden. Das Vereinen verschiedener Stile solle auch die Vielfältigkeit der Stadt zeigen. „Am liebsten hätte ich die ganze Stadt voll mit bunten Fassaden und Kunstwerken von tollen Leuten – davon gibt es nämlich ’ne ganze Menge“, sagt de Laporte, dem man die Leidenschaft zur Graffiti-Szene und seiner Kunst deutlich anmerkt. „Die Szene ist wertvoll. Klar, ist sie unkontrolliert, aber genau das macht sie so interessant. Vom Anwalt bis hin zum freien Künstler ist alles dabei.“ Die Vergleiche zwischen Street-Art und Graffiti findet er unnötig, jede Kunst sei auf ihre eigene Art wertvoll.

Nach dem Gespräch arbeitet de Laporte weiter an seinem Projekt und trägt damit dazu bei, dass auch diese Stadt wieder ein bisschen bunter und lebendiger wird. Wer neugierig auf die bunten Kunstwerke von Jack Lack geworden ist, kann diese auf Instagram unter „jack_lack_“ bewundern.