Was muss man beim Schneiden von Rosen und Obstbäumen eigentlich alles beachten? Mit dabei beim Praxisseminar mit Gärtnermeister Eberhard Jung.

 

 

Im Garten warten Rosen, Ziergehölze, Apfel-, Kirsch-, Quitten- und Birnenbäume oft dringend auf einen guten Beschnitt. Schließlich möchte man sich ja an reicher Rosenblütenpracht und vielen leckeren Früchten erfreuen. Wie’s richtig geht, und wor­auf man achten muss, das erklärte Gärtnermeister Eberhard Jung bei einem Praxisseminar von Haus & Grund Stuttgart im Praxisschnittkurs in der Anlage des Obst- und Gartenbauvereins Untertürkheim interessierten Hobbygärtnerinnen und -gärtnern.

Ausgestattet mit seiner beeindruckenden elektrischen Rebschere zeigte Eberhard Jung vor Ort ganz praktisch, was wichtig ist beim richtigen Beschnitt. Denn dieser ist ganz entscheidend für den Obst­ertrag und das Gedeihen der Pflanzen. „Dürfen wir überhaupt jetzt noch schneiden?“, fragen einige Kursteilnehmer. „Ja, ein Pflegeschnitt ist ganzjährig und immer erlaubt. Allerdings sollte man während der Brutzeit auf größere Eingriffe verzichten, um die Vogelbrutzeit nicht zu stören“, weiß Gärtnermeister Jung. Generell rät er jedem Hobbygärtner, der bei Rosen und Bäumen zur Rebschere greift: „Beobachten Sie Ihre Pflanze, wie sie nach Ihrem Schnitt reagiert.“ Er selbst verfügt über die Erfahrung von 44 Berufsjahren. Seine Baum- und Rosenschule feiert dieses Jahr 100-jähriges Jubiläum.

An einer Prachtrose demonstriert er den rich­tigen Rosenschnitt, bei Rosen bevorzugt im März, damit sie nicht so früh austreiben. Radikal schneidet er die Rose herunter, auch die „Hirschgeweih-Triebe“ kommen raus. Den entsetzt geweiteten Augen der Kursteilnehmenden hält er lächelnd entgegen: „Das war jetzt nur ein dezenter Schnitt. Ich verspreche Ihnen, dass diese Rose im Juni voll blühen wird – garantiert!“ Im Gegenteil, ein starker, regelmäßiger Schnitt halte die Pflanze jung und kräftig. Armseligen Trieben geht es sowieso immer als Erstes an den Kragen, egal, ob bei Rosen oder Obstbäumen, denn: „Ein kleiner, dünner Trieb wird kränklicher als ein starker Trieb.“ Aus jedem Schnitt kommen zwei neue heraus, deshalb stets unterhalb einer Verzweigung schneiden.

„Ein Nicht-Schnitt ist immer ein Fruchtungsreiz, ein Schnitt eher ein Wachstumsreiz“, nennt Jung eine weitere wichtige Regel beim Schneiden. Und wie oft muss man schneiden? „Ich rate zur Regelmäßigkeit. Beim Rosen- oder Baumschnitt ist es wie beim Menschen: Wer regelmäßig zum Friseur geht, hat’s auch leichter“, ist eine von Jungs Maximen. „Soll man Sträucher mit herunterhängenden Zweigen nicht einfach zusammenbinden?“, fragen die Teilnehmenden. „Das bringt nichts. Wenn ein Zweig herunterhängt, ist nur schlecht geschnitten worden. Jeder herunterhängende Trieb ist ein alter Trieb“, weiß Jung, denn Pflanzen stecken ihre ganze Kraft generell eher in die oberen Triebe, untere Triebe werden weniger gut versorgt. Kletterrosen sollte man übrigens beim Schneiden wie Obstbäume behandeln. Denn man muss wissen, die einjährigen Triebe tragen oder blühen erst im nächsten Jahr. Am besten ist ein Gewächs geschnitten, wenn eine schöne, luftige, trichter­förmige Mischung aus ein-, zwei- und mehrjährigen Trieben vorhanden ist.

Die einen Hobbygärtner bedienen den Trend zu Wildobstbäumen, die anderen experimentieren gern und pflanzen ein das warme Klima liebende Nektarinen-, Aprikosen oder Pfirsichbäumchen, anderen wiederum möchten lieber viele gute klassische Birnen oder Äpfel ernten. Renette, Gravensteiner, Jakob Fischer, Boskop – viele alte Apfelsorten tragen nur alternierend jedes zweite Jahr Früchte. Die neu gezüchteten Sorten wie Pinova tragen jedes Jahr. Aber ohne einen guten Schnitt, wird auch das schwierig. „Der Brettacher ist ein fauler Hund“, weiß Jung um seine alten Apfelsorten, die manchmal sehr schwer zur Frucht zu bringen sind und dafür zum Teil vier bis fünf Jahre benötigen, wie auch die Sorte Berlepsch. „Die alten Knaben brauchen länger“, schmunzelt er. Ein Obstbaumschnitt ist von November bis März ideal. „Im Winter schneiden gibt den Bäumen einen höheren Wachstumsreiz als im Sommer“, so Jung.