Anna Fritz ist 23 Jahre, studiert an der Universität Stuttgart Germanistik und Englisch und macht sich Gedanken über Bodyshaming.

 

 

Lia kennt kein Bodyshaming. Dabei entspricht die Mischlingshündin von Anna Fritz mit ihrem bulligen Kopf auf kurzen, krummen Dackelbeinchen keinem Schönheitsideal. Anders als Lia kennt ihr Frauchen Bodyshaming.

„Ich glaube, jede und jeder hat schon Erfahrung damit gemacht. Ich habe in meinem Schrank Hosen in Größen von 34 bis 42“, erzählt die 23-Jährige aus Weilimdorf, die im siebten Semester Germanistik und Englisch an der Universität Stuttgart studiert und Chefredakteurin der Uni-Zeitung „Campus Falken“ ist. Das Thema Bodyshaming hat Anna Fritz in einem Blog aufgegriffen, der zuerst in der zweimal im Semester erscheinenden „Campus Falken“ erschienen und seit Kurzem auch auf Usus, dem Studierenden-Blog, nachzulesen ist. Auf das Thema sei sie gekommen, als sie eine Sendung im Privatfernsehen mit dem Titel „Zwischen Tüll und Tränen“ angeschaut habe, erklärt Anna Fritz, die Journalistin werden will, seitdem sie als Zehnjährige ein Sommerferien-Kinderpraktikum bei der „Stuttgarter Zeitung“ gemacht hat.

„Da stehen Frauen im Hochzeitskleid vor einem Spiegel und sollten eigentlich glücklich sein. Stattdessen sehen sie nur ihre vermeintlichen körperlichen Makel. Das ist doch schlimm.“ Wie wäre es, wenn wir anfingen, unsere Körper nicht als zu dick, zu dünn oder hässlich zu beschreiben, sondern als gesund oder wunderschön?, fragt sie in ihrem Artikel mit dem Titel „Bodyshaming is Bullshit“ rhetorisch in die Leserrunde. Denn: „Wer bestimmt eigentlich, was schön ist? Wer sagt, dass jede*r ab Größe 46 keine Hotpants tragen darf und dass man mit niedrigem Gewicht automatisch eine Essstörung haben muss?“

Anna Fritz schreibt, sie wünsche sich, dass sich viel mehr Menschen an ein Mantra hielten, das da lautet: You shouldn’t point out things about people’s appearances if they can’t fix it in ten seconds – und bedeutet, dass man das Gegenüber gern auf Schokoreste am Mundwinkel hinweisen kann, aber vermeiden sollte, Dinge zu kritisieren, die sowieso nicht geändert werden können. Es sei schön, sagt Anna Fritz, dass es immer mehr Frauen und Männer gebe, die sich in den sozialen Medien für Body Positivity einsetzten und ihre Körper zeigen, wie sie eben sind: nicht perfekt, und vor allem nicht alle gleich. Bei Body Positivity gehe es darum, „dass sich jede*r in seinem*ihrem Körper wohl und schön fühlen soll“, schreibt die junge Frau. Das schließe Übergewichtige, Untergewichtige und auch die ein, die der „Norm“ entsprächen. Außerdem gehe es bei Body Positivity immer um das Dürfen und nicht um das Müssen. „Frauen müssen sich beispielsweise nicht, natürlich genauso wenig wie Männer, die Achseln rasieren, dürfen es aber, wenn sie sich so schöner finden.“ Vielleicht sei ihre Generation die, die es endlich schaffe, die individuelle Schönheit ohne eine Norm zu sehen, sagt Anna Fritz.

Auch einen relativ neuen Ansatz, genannt Body Neutrality, erwähnt die Autorin. Diese Bewegung gehe noch weiter als die Body-Positivity-Bewegung und ziele darauf ab, das Aussehen egal zu finden, da dem Schönheitsgedanken grundsätzlich ohnehin zu viel Aufmerksamkeit gewidmet werde, so Anna Fritz. „Eine gute Kombination wäre vermutlich eine Mischung aus beidem. Lernen, sich selbst schön zu finden, und gleichzeitig dem Aussehen nicht so viel Wichtigkeit beizumessen.“ So wie Lia, ihre dreijährige Mischlingshündin, die mit ihrem Pitbullschädel auf krummen Beinen fröhlich und zufrieden über Felder und Wiesen streift.

 

 

Der Link zum Usus-Blog über Bodyshaming: www.usus.uni-stuttgart.de/blog/bodyshaming/.