Ärgernis oder Mobilitätswunder? E-Scooter sorgen in Stuttgart für ordentlich Wirbel – Haus & Grund Stuttgart wendet sich mit Kritik an die Stadt Stuttgart und fordert Abhilfe.

 

 

E-Scooter stehen für eine neue Art der Fortbewegung im öffentlichen Raum, werden fleißig von Stuttgarter als auch von Touristen genutzt – oder komplett abgelehnt und als Ärgernis betrachtet: E-Scooter sind seit 15. Juni 2019 in Stuttgart zugelassen. Insgesamt gibt es fünf kommerzielle Anbieter mit jeweils bis zu 1500 Fahrzeugen. Nutzungsregeln sind zwar festgesetzt, unter anderem, dass die Vehikel nur auf der Straße und nicht auf Gehwegen gefahren werden dürfen und das Parken auf dem Gehweg nur mit einem verbleibenden Mindestraum von 1,60 Metern Breite und ohne sonstiges Behindern erlaubt ist. Aber es gibt auch viele Nutzer, die diese nicht so genau oder gar nicht befolgen.

Zu Unfällen kommt es ebenfalls: beispielsweise am 15. September in Stuttgart-Süd als eine 78-Jährige mit ihrem Fahrrad mit einem 18-jährigen E-Scooter-Fahrer kollidierte und stürzte. Kritik, vor allem für das nicht ordnungsgemäße Abstellen von E-Scootern und ebenso von E-Rollern, kommt vom Stuttgarter Haus- und Grundbesitzerverein. Dieser beklagt, dass die zusehends achtlos entledigten Fortbewegungsmittel neben Gehwegen und Blindenspuren auch immer wieder Zufahrten und Hauseingänge versperren, was somit zum Verdruss bei Immobilienbesitzern und Bewohnern führe. Daher verlangt der Verein von der Stadtverwaltung, durchzugreifen und schleunigst Abhilfe zu schaffen. Vereinsgeschäftsführer Ulrich Wecker empfiehlt, einen Blick auf Lösungsansätze anderer Städte zu werfen, die bereits „problembewusster“ seien als Stuttgart.

So beabsichtigt beispielsweise die Kölner Oberbürgermeisterin Reker, nicht nur die Zahl der Scooter zu verringern, sondern mit einer Ausweitung von Parkverbotszonen, einem Nachtverbot und dem gezielten Schreiben von Knöllchen wieder Herrin der Lage zu werden. Ähnliches ist aus Düsseldorf zu hören. Statt mit einer „freiwilligen Selbstverpflichtung“ (wie hier in Stuttgart), arbeiten immer mehr Großstädte mit sogenannten „Sondernutzungserlaubnissen“ mit klaren Parkverbotszonen, Begrenzung der Fahrzeugflotten, Registrierungsgebühren sowie dem technischen Unterbinden von Fahrten etwa in See- oder Flussnähe.“

Bei Haus & Grund-Mitgliedern rufe der derzeit faktisch herrschende rechtsfreie Raum beim „Wildparken“ noch aus einem anderen Grund Unverständnis hervor: Bei Neubauten und Nutzungsänderungen schreibt das Baurecht Eigentümern vor, auf dem eigenen Grundstück bis zu zwei überdachte Fahrradstellplätze je Wohnung für teuer Geld zu erstellen, damit dort alles akkurat zugeht, wohingegen Elektro-Tretroller nahezu unbehelligt den öffentlichen Raum blockieren dürfen.

Haus & Grund fordert klare Spielregeln: „Verkehrswende gelingt nur ideologiefrei, in Vielfalt, in Akzeptanz des jeweiligen Verkehrsmittels sowie durch eine effektive Verkehrsüberwachung, die Verstöße von Rollerfahren in gleicher Weise in den Blick nimmt wie jene von Autofahrern“.

Die Stadt Stuttgart empfiehlt, Verstöße direkt an die Anbieter zu melden (Finden sich unter https://www.stuttgart.de/leben/mobilitaet/elektromobilitaet/e-scooter/).

 

 

E-Scooter Wie sind Ihre Erfahrungen mit E-Scootern? Nutzen Sie sie selbst, um kurze Wege zurückzulegen oder stellen sie für sie ein Ärgernis dar? Wir freuen uns über Ihre Meinung per E-Mail an wochenblatt@stzw.zgs.de