Nach einem halben Jahr Corona-Krise zeichnet sich das ab, was zu befürchten war: Clubs haben mehr zu kämpfen als viele andere Branchen.

 

 

„Wir haben seit über sechs Monaten ein vollständiges Betriebsverbot – welches Unternehmen kann ein halbes Jahr ohne Umsätze wegstecken?“, sagt Felix Klenk vom Club Freund + Kupferstecher in der Fritz-Elsas-Straße. Bisher habe man Kurzarbeitergeld und im April die erste Soforthilfe des Landes bekommen – „diese hat circa fünf bis sechs Wochen unserer laufenden Betriebskosten der vergangenen sechs Monate Schließzeit abgedeckt.“ Immer wieder würde man Anträge für Hilfsprogramme von Bund und Ländern stellen. Aber spätestens jetzt Ende Oktober ist klar, was bereits im März prophezeit wurde: Die Party- und Subkultur-Szene ist von der Pandemie-Krise besonders gebeutelt. Und da finden dieses Jahr kaum noch Verbesserungen statt. „Unser Club lebt von Enge, Nähe und Emotion – das kann man nicht einfach auf ein Barkonzept mit 30 Gästen, festen Sitzplätzen und einem Tanzverbot ändern und damit Geld verdienen.“

Bei Konzerten sei man aufgrund von Gagen, Reise-, Gema- und sonstigen Produktionskosten mit der kleinen Kapazität selbst bei ausverkauftem Haus schon unter normalen Bedingungen immer an der Grenze zum Minusgeschäft. Es reiche nicht, für einen limitierten Zeitraum nur einen Teil der Fixkosten zu erstatten, weil das bedeute, dass man jeden Monat einen nicht unerheblichen Berg an Schulden anhäufe.Tobias Rückle, Vorsitzender des Clubkollektivs, sagt auf die Frage, ob die Clubszene vor dem Ruin stünde: „Definitiv ja! Die wenigsten Clubs haben die Möglichkeit, überhaupt regelkonforme Veranstaltungen durchzuführen.“ „Wir sind ja kein Club im eigentlichen Sinn mehr, wir sind im Wandel zu einem Kulturzentrum, in dem wir so leise wie nötig und so laut als möglich sind“, sagt Joachim Petzold von der Kulturinsel.

Seit Dezember 2019 bekommt das Projekt mit Konzerten und Urban Gardening eine Sockelförderung der Stadt Stuttgart. Trotzdem „fehlen uns schmerzlich die Einnahmen und doch haben wir daher vielmehr auf alle anderen aufmerksam gemacht und auch viel Werbung für die Künstlersoforthilfe, UWS, kleine Clubs und andere in Not geratene Projekte gemacht. Es ist unendlich traurig, wie machtlos man ist und wie fast die ganze Branche ums Überleben kämpft“, so Petzold weiter. Im Herbst stehen auf dem Gelände in Bad Cannstatt die Helfertreffs im Garten des Urban-Gardening-Projekts an. Der Willkommensraum bietet ein Freizeitprogramm für Jugendliche, das man, „solange gutes Wetter ist“, wöchentlich anbieten möchte. Ein Livekonzert steht außerdem im November auf der Kulturinsel auf dem Programm.

 

 

Club Kollektiv

Das Club Kollektiv ist ein Interessenverband, zu dem viele Stuttgarter Clubs gehören. Wer als Betreiber Fragen hat, kann sich unter kontakt@clubkollektiv.de oder 48 90 97 10 informieren.