Die 48-jährige Sabine Matt arbeitet seit fast 18 Jahren im integrativen Cap-Markt in Untertürkheim.

 

 

Ein lautes „Angie“ schallt durch den Supermarkt. Sabine Matt ruft nach Angelo Carrino, dem Marktleiter. Die 48-Jährige will von ihrem Chef wissen, in welches Regal sie die Gläser mit der Bio-Tomatensoße packen soll. Der Cap-Markt in Untertürkheim ist ein Vollsortimenter auf 780 Quadratmetern und der einzige Nahversorger am Platz, und er ist ein Integrationsbetrieb, der Menschen mit Handicap sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze bietet.

Neun Cap-Märkte gibt es im Stuttgarter Stadtgebiet, dazu drei auf den Fildern, und zwar in Neuhausen, Denkendorf und Köngen, sowie zwei im Rems-Murr-Kreis, in Weinstadt-Beutelsbach und im Waiblinger Stadtteil Beinstein. Allen Cap-Märkten ist gemein, dass ihre Belegschaft aus Menschen mit und ohne Behinderung besteht. „Wo sich andere Supermarktketten zurückziehen, stellen wir außerdem die Nahversorgung sicher“, sagt Thomas Heckmann, der Geschäftsführer der gfa ggmbh, die die Cap-Märkte in Untertürkheim und Obertürkheim betreibt sowie den in Beinstein. Das Unternehmen ist ein Integrationsbetrieb zur Schaffung von Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt für Menschen mit geistiger, psychischer und körperlicher Behinderung.

Rein äußerlich gleicht der Cap-Markt in der Augsburger Straße vielen anderen gut geführten Supermärkten. Doch es gibt wesentliche Unterschiede, nicht nur weil viele der Angestellten ein Handicap haben. „Wir sind ein familiärer Betrieb, in dem alle gleichberechtigt sind und in dem sich alle, vom Chef bis zum Azubi, mit Respekt begegnen“, so Marktleiter Angelo Carrino. Diesen Respekt spürt auch Sabine Matt, und deshalb kommt sie seit fast 18 Jahren jeden Tag gern zur Arbeit. „Es ist mein absoluter Traumjob“, meint sie.

Sabine Matt lebt mit ihrem Partner, der ebenfalls in einem Cap-Markt arbeitet, und zwar in dem in Obertürkheim, in einem ambulant betreuten Wohnheim in Bad Cannstatt. Für sie ist die Arbeit nicht nur ein täglicher Fixpunkt in ihrem Leben, sondern auch die Bestätigung, dass sie einen Platz in der Gesellschaft gefunden hat. „Ich mache alles außer die Kasse“, sagt Sabine Matt mit einem stolzen Lächeln und zählt auf. „Ich räume Obst und Gemüse ein, Putzmittel, Marmelade, Kaffee. Eben alles, was wir an Ware haben. Und ich mache auch mal sauber.“ Doch nicht nur die Arbeit macht ihr Spaß, auch das Miteinander mit den Kollegen und ihrem Chef gefällt der 48-Jährigen. Sabine Matt hat einen festen Vertrag, arbeitet in zwei Schichten und scheut sich nicht vor Überstunden. „Wenn frische Ware hereingekommen ist, kann ich doch nicht einfach nach Hause gehen“, sagt sie mit einem Grinsen.

Inzwischen ist Angelo Carrino da und zeigt seiner Mitarbeiterin den richtigen Platz für die Bio-Tomatensoße. „Die Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderungen ist etwas Schönes. Wenn wir uns gemeinsam Ziele setzen und sie erreichen, dann ist das eine Freude für die Mitarbeiter, die sich wertgeschätzt fühlen, und das macht mich dann auch glücklich und zufrieden“, sagt der Marktleiter. Auch Sabine Matt ist glücklich und zufrieden. Sie identifiziert sich mit ihrem Arbeitgeber. „Überall, wo ich bin, empfehle ich unseren Markt“, sagt sie und lächelt.

 

 

Cap-Märkte

CAP ist ein deutsches Handelsunternehmen mit Hauptsitz in Stuttgart. In den Märkten arbeiten Menschen mit und ohne Behinderungen gemeinsam. Der Name leitet sich von Handicap ab, der englischen Bezeichnung für Benachteiligung. Die Märkte sind mit ihrem Lebensmittelvollsortiment für die Nahversorgung konzipiert und in zentralen Lagen angesiedelt. Cap-Märkte schließen Versorgungslücken für alle, die auf ein zu Fuß erreichbares Angebot angewiesen sind, und füllen so die Lücken anderer Discounter- und Supermarktketten auf, die sich mit neuen Standorten meistens am Ortsrand auf der grünen Wiese ansiedeln. Betrieben werden CAP-Märkte in der Regel von örtlichen Integrationsunternehmen oder Werkstätten für behinderte Menschen im Rahmen eines Social Franchisings. In Deutschland gibt es, Stand Anfang 2022, insgesamt 105 Filialen mit Marktgrößen zwischen 200 und 1500 Quadratmetern.