Bisher dürfen Galerien während des „Lockdown light“ öffnen – und die Besucher kommen gerne, auch auf einen Kaffee.

 

 

Karin Abt-Straubinger begrüßt jeden Besucher in ihrer Galerie Abtart mit einem Lächeln. Kunstgalerien sind in Zeiten der Corona-Pandemie derzeit der letzte Hort der Kultur, weil sie rechtlich zum Einzelhandel zählen. „Es vergeht kein Tag, an dem nicht Leute bei uns sind. Die Menschen brauchen die Kunst“, sagt die Galeristin aus Möhringen. Die Galerie Abtart in der Rembrandstraße 18 hat viel Platz für Kunst und Menschen. Mehr als 600 Quadratmeter verteilen sich auf drei großzügige Etagen. Sie sei nicht so erschrocken, erklärt Karin Abt-Straubinger. „Und die Besucher halten von sich aus Abstand.“

Auch an diesem Freitag schlendern einige Kunstinteressierte durch die hellen, hohen Räume, die derzeit die Ausstellung „Drei elsässische Räuber“ mit Arbeiten von Tomi Ungerer, Raymond E. Waydelich und Marc Felten beherbergt. Eigentlich sollten die Arbeiten des Trios nur bis zum 6. November zu sehen sein. Doch da die drei Räuber großes Publikumsinteresse wecken – und die Verschärfung der Corona-Regeln zurzeit nicht einmal eine kleine Vernissage mit begrenzter Personenzahl für eine neue Kunstschau möglich machen – hat die Galeristin die Ausstellung bis zum 22. Dezember verlängert.

Karin Abt-Straubinger hat sie zudem mit ein paar neuen Arbeiten von Tomi Ungerer bestückt. „Es ist nur schade, dass wir keine Begleitveranstaltungen machen können“, sagt sie mit Bedauern in der Stimme. Karin Abt-Straubinger und ihr Team hatten eine Lesung geplant, ein kleines Hölderlin-Theaterstück sowie Werkstattgespräche mit den Künstlern. „Die kommen jetzt eben ganz privat mal vorbei“, erzählt die Galeristin. Norbert Nieser, der in der Großen Falterstraße 31 in Degerloch eine Galerie und Fotowerkstatt betreibt, bekommt ebenfalls eine Menge Besuch. „Eigentlich habe ich samstags nur bis 12 Uhr geöffnet, aber es waren den ganzen Tag Leute da, und die letzte Besucherin ist um 16 Uhr gegangen.“

Die eine Hälfte der Galerie-Gäste sei an der Kunst interessiert, die andere Hälfte komme wegen des Kaffees und eines Gesprächs, sagt der Galerist und Fotograf. „Vielen fällt daheim langsam die Decke auf den Kopf.“ Während die Zahl der Besucher hoch ist, sinken die Umsätze. „Wir haben rund zwei Drittel verloren, aber zum Glück ausreichend Rücklagen“, sagt Norbert Nieser, der mit seiner Fotokunst ganze Luxushotels in dem Emiraten, unter anderem in Dubai, ausstattet. In seiner Galerie zeigt er zurzeit eigene Fotografien, weil er für eine neue Ausstellung kein Eröffnungsfest machen kann. Im Sommer hat Nieser noch eine Vernissage mit 60 geladenen Gästen gefeiert. „Es war einerseits ein schönes Erlebnis, aber nicht wie sonst, weil die Kommunikation doch eingeschränkt ist.“ Da die Menschen Kultur und Kommunikation brauchen, will Norbert Nieser zu Weihnachten beides verschenken. Und einen Kaffee gibt es auch.“

 

 

Galerien im Netz

Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.abtart.com und www.galerie-nieser.de.