Die öffentliche Toilette im Rathaus Vaihingen ist nach der Sanierung wieder geöffnet, aber nicht behindertengerecht.

 

 

Immerhin, zum Abschluss eines langwierigen Prozesse hat das Timing gestimmt. Genau eine Woche vor dem Welttoilettentag, der seit 2001 am 19. November begangen wird, wurde die öffentliche Toilette im Bezirksrathaus in Vaihingen wiedereröffnet. Bereits vor fünf Jahren hatte der Bezirksbeirat des Stuttgarter Stadtbezirks auf den Fildern erstmals den Wunsch geäußert, die viel benutzte Anlage zu ertüchtigen. 2017 brachte die Arbeitsgruppe Barrierefreies Vaihingen das Anliegen erneut vor. „Die Toilette war ein großes Thema bei den Bürgern. Im Bürgerhaushalt 2018/19 wurde die Sanierung mehr als 700-mal gevotet und dann vom Gemeinderat beschlossen“, berichtete der Bezirksvorsteher Kai Jehle-Mungenast bei der Eröffnung der zum Preis von 150 000 Euro runderneuerten Bedürfnisanstalt, die allerdings noch immer nicht alle Bedürfnisse befriedigt.

„Die Sanierung zeigt, dass es sich lohnt, wenn man sich einmischt. Das ist ein gutes Zeichen in der jetzigen Zeit“, erklärte Kai Jehle-Mungenast. Lange genug hatte den Vaihingern der Zustand der öffentlichen Toilette am Rathausplatz 1 aber auch sprichwörtlich gestunken. Und dann hatte sich noch der Baubeginn, der eigentlich für das erste Quartal 2019 angekündigt war, bis zum Herbst ver­gangenen Jahres verzögert. Jetzt ist das anrüchige Thema vom Tisch. Die sanierte Sanitäranlage wurde nach neun Monaten Umbau der Öffentlichkeit übergeben, rechtzeitig vor dem samstäglichen Markt. Die Fliesen in Blau, Türkis und Weiß strahlen saubere Frische aus. Zudem wurden alle sanitären Einrichtungen erneuert. „Und die Wasserhähne werden elek­tronisch gesteuert“, sagte Udo Hofmeister vom städtischen Eigenbetrieb Abfallwirtschaft (AWS), der für die Reinigung der öffentliche Toilette zuständig ist. Wie lange das öffentliche Örtchen in Ordnung bleibt, liegt in den Händen der Benutzer.

Aus den Jahren vor der Sanierung gab es viele Klagen, und zwar nicht nur über unangenehme Gerüche, blinde Spiegel und mit Papier verstopfte WCs, sondern auch über Schmierereien an den Wänden. Barrierefrei ist die öffentliche Toilette im historischen Bezirksrathaus aber noch immer nicht. Die baulichen Eingriffe in das denkmalgeschützte Gebäude wären zu groß gewesen und deshalb nicht möglich, sagte Bezirksvorsteher Jehle-Mungenast. Die Treppenstufen hinter der hölzernen Eingangstür verwehren Rollstuhlfahrern weiterhin den Zutritt. „Für mich ist das deshalb auch kein Erfolg“, sagte ein sichtlich enttäuschter Ivo Josipovic von der Arbeitsgemeinschaft Barrierefreies Vaihingen. Bezirksvorsteher Jehle-Mungenast hatte ihn zuvor noch „einen der Treiber“ der Sanierung genannt.

Doch der Wunsch, dass die Anlage auch für Rollstuhlfahrer zugänglich gemacht wird, konnte nicht erfüllt werden. Allzu viele behindertengerechte Toiletten gibt es in Vaihingen nämlich nicht. Die in der Schwabengalerie, unweit des Bezirksrathauses, ist – wie auch die neun „Netten Toiletten“ in Vaihinger Fachgeschäften – nur zu den Öffnungszeiten des Einkaufszentrums öffentlich. „Und dann gibt es noch eine am Bahnhof“, erklärt Ivo Josipovic, der seit gut sechs Jahren der inoffizielle Behindertenbeauftragte für den Stadtbezirk Vaihingen ist.

 

 

Fehlende Toiletten

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