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Ilona Liedel: Die richtige Frau am richtigen Ort


Geschäftsführerin der Stuttgarter Freiwilligenagentur will das ehrenamtliche Netzwerk noch enger stricken
 

"Ohne die vielen Frauen und Männer im Ehrenamt wäre unser Gemeinwesen so nicht denkbar." Dieser Ausspruch unseres Altbundeskanzlers Helmut Kohl ist mehr denn je gültig. In Stuttgart steht das Ehrenamt in enger Verbindung mit dem Namen von Ilona Liedel. Sie ist seit vergangenem Jahr die Chefin der Freiwilligenagentur (FWA) und die Ehrenamtsbeauftragte der Stadt. Sie ist immer auf der Suche nach neuen und kreativen Ideen, um Menschen ins Ehrenamt zu bringen.

Diese Woche startet die Geschäftsführerin im Stuttgarter Wochenblatt eine Anzeigenkampagne, in der acht Wochen lang neue Projekte mit guten Rahmenbedingungen für Ehrenamtliche vorgestellt werden. Los geht es mit der Suche nach "Ausbildungspaten": Realschülern und Realschülerinnen soll in Stuttgart ab der neunten Klasse eine persönliche Begleitung beim Übergang von der Schule in das erste Ausbildungsjahr geboten werden. "Die Paten werden von uns angeleitet und tragen dann mit ihrer Lebens- und Berufserfahrung dazu bei, dass die Schüler erkennen, wo ihre beruflichen Stärken liegen", erzählt die im fränkischen Arzberg geborene 51-Jährige. "Ich komme aus einfachen Verhältnissen und habe mir vieles erkämpfen müssen", beschreibt Ilona Liedel ihren Werdegang, der sie bereits während des Studiums des Sozialwesens an der Fachhochschule Nürnberg (Bereich Erwachsenenbildung) zur Stadt Nürnberg ins Amt für Kultur und Freizeit führte. 1991 entschloss sich die alleinerziehende Mutter, Stadt, Region und Aufgabenfeld zu wechseln. "Wichtig beim Wechsel war: Ich wollte in eine Stadt, in der es eine gute Oper gibt."

So kam Ilona Liedel 1991 nach Stuttgart und wurde Leiterin des Sozialen Betreuungsdienstes beim Wohlfahrtswerk. Von 1995 bis 1998 leitete sie die Beratungsstelle für Ältere und Angehörige im Westen von Stuttgart, danach machte sie sich als Beraterin und Kommunikationstrainerin in der freien Wirtschaft selbstständig, ehe sie 2001 Referentin beim Diakonischen Werk und Geschäftsführerin der Landesarbeitsgemeinschaft der evangelischen Seniorinnen und Senioren wurde. Im Juli 2009 wählte sie die Stadt unter 134 Bewerbern für die Nachfolge von Yvonne Schütz als Geschäftsführerin der Freiwilligenagentur aus. Gefragt sind bei der FWA ihre kommunikativen wie ihre organisatorischen Fähigkeiten, denn die Stadt Stuttgart fungiert zwar als Träger und bezahlt die Räume in der Nadlerstraße, wo die Agentur ihren Sitz hat, doch ansonsten ist der Etat, nicht aber das Arbeitsfeld, begrenzt. Die FWA ist sozusagen das Scharnier der lokalen Bürgergesellschaft zwischen Organisationen, Vereinen und Initiativen, die einen Teil ihrer Projekte nur durch die Unterstützung freiwillig Engagierter realisieren können. Die FWA befindet sich unter dem Dach der Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement und ist ein Partner der frEE-Akademie der Stadt, die günstige Fortbildungen für Ehrenamtliche anbietet. Mit dem Stab von 25 ehrenamtlichen Mitarbeitern hat die FWA seit ihrem Start vor sechs Jahren über 1200 am freiwilligen Engagement Interessierte beraten. Die Freiwilligenbörse bietet beispielsweise im Internet über 900 Profile von circa 600 verschiedenen Einrichtungen im Raum Stuttgart. Im letzten Jahr gab es über 50 000 Interessenten, die in der Freiwilligenbörse (www.stuttgart.de/freiwilligenboerse) online nach Angeboten suchten. "Doch Stuttgart kann noch mehr", ist Ilona Liedel überzeugt. "Wir bieten eine ganze Reihe von Projekten für verschiedene Zielgruppen an." Beispielhaft nennt die Geschäftsführerin neben den Ausbildungspaten die Jugendfreiwilligentage, an denen jungen Menschen in den Sommerferien die Chance geboten wird zu schnuppern, wie sich das freiwillige Engagement anfühlt oder auch die Jobpaten, bei denen Persönlichkeiten aus der Wirtschaft ehrenamtlich Arbeitsuchende wieder fit machen für den beruflichen Wiedereinstieg.

"Im Rahmen des Projekts bieten wir für die Arbeitsuchenden Einzelcoachings an. Diese Patenschaften dauern bis zu einem halben Jahr", erklärt Ilona Liedel. Unermüdlich ist sie unterwegs auf der Suche nach Sponsoren, denn der ihr zur Verfügung stehende Etat ist klein, und ihr Ziel ist es, die Agentur wieder stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken und neue Mitstreiter zu gewinnen. So war sie mit ihrem Team beim Stuttgarter Messeherbst auf der Familie & Heim, um sich bei den Ehrenamtlichen zu bedanken und Kontakte zu knüpfen. Für die Zukunft ist die umtriebige Geschäftsführerin überzeugt, dass die verschiedenen Träger bürgerschaftlichen Engagements kooperieren müssen, um Synergien zu schöpfen: "Viele Menschen denken besser und handeln wirkungsvoller als einer allein."

Entspannung von der Arbeit findet Ilona Liedel, die mitten im Herzen der Stadt wohnt, in der Natur: "Als Kind vom Land" war sie früher eine leidenschaftliche Kletterin, heute wandert sie gerne. Theater- und Opernbesuche stehen in der Freizeit aber ebenso auf dem Programm. Außerdem liest sie gerne Kurzgeschichten und schreibt selbst welche – "aber nur für den Hausgebrauch", wie sie bescheiden betont.

04.02.2010 - aktualisiert: 04.02.2010 12:37 Uhr

 






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