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"Die Mieten werden für uns nicht bezahlbar"


Bau- und Heimstättenverein plant Abriss und Neubau in der Wagenburgstraße
 

Im März erhielten 23 Mieter dazu einen Brief. Einige von ihnen befürchten für die Zukunft hohe Mieten und wünschen den Erhalt des prägnanten Gebäudeteils von Architekt Karl Beer.

OSTHEIM

Für den Bau- und Heimstättenverein entwarf der Sozialdemokrat Karl Beer in den 1920er und 1930er Jahren mehrere Wohnanlagen. Von ihm stammt das Gewerkschaftshaus in der Willi-Bleicher-Straße. Manchen dürfte auch die "Siedlung Schönblick" auf dem Killesberg bekannt sein. Beer setzte damals für den Bau- und Heimstättenverein eine "fortschrittliche Auffassung vom Bauen für die arbeitende Bevölkerung" um. Noch heute erinnert die SPD-Fahne auf dem Dach der Wagenburgstraße 149 - 153 an den 1935 in die Schweiz emigrierten Architekten. Wenig ist vom Glanz vergangener Zeiten geblieben. Das Dach müsste neu gedeckt, eine Wärmedämmung angebracht, die Fassade gerichtet, die Fenster erneuert, die Heizanlagen vereinheitlicht werden. Jahrelang haben die Mieter auf entsprechende Aktionen gewartet, doch der Bau- und Heimstättenverein hat sich aufgrund der technischen Struktur des Gebäudes für einen Abriss entschieden. "In dem engen Treppenhaus lässt sich kein Aufzug einbauen", so Ulrich Goeser vom Vorstand. Für ein fünfstockiges Mietshaus nicht gerade zukunftsfähig. Die energetische Situation sei ausgesprochen schlecht. "In der Wagenburgstraße blasen wir die Energie zum Fenster und zum Dach raus". Einige Bewohner wünschen sich jedoch den Erhalt des Gebäudes. Sie befürchten, dass die Mieten in einem Neubau für sie nicht bezahlbar sind.

Einer von ihnen, Andreas Hubler, hat sogar eine Unterschriftenaktion gestartet. "Das Gebäude ist stadtteilprägend und soll erhalten bleiben. Ich habe schon 287 Stimmen", meint er. Ein anderer kritisiert, dass die angebotenen alternativen Wohnungen am schwarzen Brett teurer und schlechter seien. "Da wurde eine Wohnung angeboten in der Wagenburgstraße, die zehn Quadratmeter kleiner, teurer und viel lauter ist". Modernisieren im bewohnten Zustand, so sein Vorschlag. Für den Bau- und Heimstättenverein ist der Erhalt des Gebäudes jedoch kein Thema.

Ein Informationsgespräch für die Mieter sei für den Spätherbst geplant. "Wir werden uns um jeden Einzelfall kümmern und das passende finden", so Goeser. Die Bestandsmieter haben für den Rückzug in den Neubau Vorrang. Höhere Mieten seien jedoch zwangsläufig. Auf der anderen Seite sparen Mieter in einem modernen Gebäude Energiekosten. "Wer sagt denn, dass das Neue nicht auch gut wird ?", so Goeser. Man habe beim internen Architektenwettbewerb auf eine attraktive Lösung an städtebaulich besonderer Stelle geachtet.


Melanie Axter

17.06.2010 - aktualisiert: 17.06.2010 12:21 Uhr

 






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