Im Schatten der Wege wächst Wein
Ein Nachmittag im Lemberg: Es wird gevespert, gewandert und Stäffele erklommen
FEUERBACH
Wir entscheiden uns für rechtsherum, wollen zuerst ein wenig laufen, bevor wir uns zum verdienten Viertele niederlassen. Auch am ersten Winzerstand gehen wir noch vorbei - voll ist es trotzdem. An diesem Teil der Strecke befinden sich die Gärtchen links des Wegs, rechts sind noch Anwohnerhäuser.
Dann biegt der Weg nach links ab und führt, schmaler geworden, bergauf, fast denkt man an einen verwunschenen Märchenwald, durch den man sich schlagen muss, soviel Grün wächst links, rechts, oben und unten. Die ersten Mitwanderer mit leeren oder noch halbvollen Weingläsern kommen entgegen.
Im Schatten geht es hinauf auf den Weinberg, geschwitzt wird trotzdem ordentlich. Die nächste Winzerlaube soll unsere sein, wird beschlossen. Bei Schnyder-Friedrich ist es auch voll, gesessen wird überall, wo Platz ist: auf den Bänken, auf dem Boden, zwischen den Reben, die sich den Hang hinab erstrecken. Wir beginnen mit einem Rosé, dessen Frische ihn zu einem guten Starterwein macht.
Dazu gibt es Maultaschenwurst. Die sieht eigentlich aus wie eine Schwarzwurst, hat aber eine Maultaschenfüllung und schmeckt toll. Auch der Weißwein im Angebot ist nicht zu verachten. Die Aussicht ist wunderschön - direkt im Tal liegt Feuerbach, am Horizont der Fernsehturm.
Es geht weiter zur nächsten Winzerlaube, auch bei Hörenbergs halten wir uns an den Rosé - er passt einfach gut zum Sommerwetter.
In der dritten Laube, bei Röcks, stehen die Sitzbänke unter Obstbäumen. Hier wagen wir uns schließlich an einen Rotwein: Monarch heißt die neue Sorte, die im Versuchsanbau ist. Der Wein ist im Geruch säuerlicher, als er schmeckt, hat einen kräftigen, guten Geschmack - Kirschen meint man herauszuschmecken. Auch die Nebensitzer am Tisch haben den Testwein probiert und finden: "Das lässt sich gut trinken!"
Man ist sehr gewillt, einfach noch sitzen zu bleiben und auf den Sonnenuntergang zu warten, das ließe sich gut machen, aber es soll ja noch weitergehen, nichts soll ausgelassen werden. Also weiter auf dem Rundweg. Es geht ein Stück geradeaus, wieder im Schatten, dann kommen Stäffele, mit denen man in Stuttgart überall rechnen muss, offenbar auch in den Weinbergen. Wir sind froh, die Stäffele hinuntergehen zu können; wären wir den Rundweg linksherum gegangen, so hätten wir hinaufkraxeln müssen. Am Ende der Stäffele sind wir wieder im Tal, noch ein Stück, dann gibt es Kuchen in der letzten Winzerlaube. Und einen Cuvée, der Monarch hat uns auf den Geschmack gebracht.
Entlang des alten Entwässerungsgrabens geht es zurück nach Feuerbach. Spielt das Wetter mit, gibt es eigentlich nichts Besseres, als den Nachmittag in den Feuerbacher Weinbergen zu verbringen.
12.08.2010 - aktualisiert: 12.08.2010 17:46 Uhr